Angekommen am Lorenziberg

Angekommen am Lorenziberg

Am letzten Freitag war der Vierbergelauf! Wie schon an anderer Stelle berichtet ist dies die große Wallfahrt in Kärnten. Hier ein Bericht für alle, die nicht mitmachen konnten:

Wir treffen uns zu dritt am Bahnhof in Klagenfurt, um mit einem der vollen Sonderbusse zum Magdalensberg zu fahren. Meine Freunde sind erfahrene “Vierbergler”. Kurz nach 23 Uhr gehen wir los um pünktlich zu Mitternacht bei der Messe auf dem Magdalensberg zu sein. Es weht ein starker, aber gar nicht kalter Wind. Wie es die Wettervorhersage angekündigt hatte, ist Saharastaub in der Luft. Unheimlich. In der Nacht setzt sich der Tross in Bewegung. Meine Freunde sind voll Tatendrang und wollen alle überholen.  Die Zeit vergeht rasch mit Gesprächen über “Gott und die Welt”. In der Kirche von Pörtschach am Berg ist die nächste Messe, sehr schön zelebriert von unserem Freund, Pater Franjo Vidovic aus Tanzenberg. Die Themen “vom Dunkel ins Licht marschieren” und das “auf und ab des Lebens” geben gute Themen für die Predigt her. Dann geht es hinauf auf den Ulrichsberg, dessen Konturen sich schon imposant in der Dunkelheit abzeichnen. Der Weg wird immer steiler und meine Freunde entwickeln ein Tempo mit dem ich kaum mithalten kann. Es ist eine schöne Ablenkung als  – so 200 Meter unter dem Gipfel –  die Vögel zu singen beginnen als erstes Zeichen des anbrechenden Tages. Oben auf dem Ulrichsberg ist dann das Klagenfurter Becken in Morgengrauen zu sehen und alle, die es geschafft haben, zücken Ihre “Smartphones” um diese Leistung zu dokumentieren. Wir auch. Obwohl ich trockene Hemden im Rucksack habe, entscheide ich mich nicht umzuziehen. Ich bin einfach zu faul. Den Abstieg nach Karnberg absoviere ich dann alleine. Das Abwärtsgehen ist trotz der Stöcke eine grosse Herausforderung für meine Knie und ich mach das lieber ganz langsam. In Karnberg komm ich erst an, als die Bischofsmesse beginnt. Ich will aber jetzt nicht stehen bleiben und gehe weiter bis Zweikirchen. Dort sind wir in einem befreundeten Haus zum Frühstück eingeladen. Zuvor setze ich mich noch in die schöne Kirche und denke im Gebet an viele Freunde und Ihre Sorgen, von denen sie hoffentlich bald befreit werden.

Bei dem Frühstück ist die Stimmung auch heuer wieder sehr gut. Unsere Gastgeberin kümmert sich reizend um uns.  Die Frauen meiner Freunde stoßen auch zu uns, um den zweiten Teil des Weges mitzumachen. Mir ist aber kalt und ich möchte weitergehen und vorankommen auf der Strecke, also verabschiede ich mich und gehe schon voraus. Es geht quer durchs Glantal, hinauf auf den Kulm. Wenn ich zurückschaue, sehe ich den Ulrichsberg schon weit hinter mir.

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Blick vom Kulm zurück auf den Ulrichsberg

Auf dem Weg nach Liemberg geht es gut voran. Ich gehe nicht sehr schnell um mit meinen Kräften zu haushalten. Langsam beginnt mir alles weh zu tun, besonders der Nacken. Vielleicht ist der Gurt des neuen Rucksackes nicht gut eingestellt. Ich gehe im Pulk und höre die Unterhaltungen der anderen Wanderer. In Liemberg angekommen, esse ich – am Strassenrand sitzend – eine Fridattensuppe. Herrlich! Flüssigkeit und Nahrung und Wärme. Meine Freunde müssten bald nachkommen, ich setze mich in die Kirche, um zu warten. Meine Freunde kommen. Wieder heilige Messe. Beim Aufstehen zum Gebet merke ich, dass mein Knie ganz steif ist.

Nach der Messe treffe ich andere Freunde und bleibe etwas zurück. Als ich mich in Bewegung setzen möchte, machen mir dann beide Knie ein wenig Sorgen. Ich kann mich nur ganz langsam bewegen kann. Ich will aber nicht aufgeben! Als der Weg steiler wird, merke ich, dass es beim Bergaufgehen besser geht. Ganz langsam quäl ich mich hinauf zum Veitsberg und nehme mir vor – nicht stehen zu bleiben bis ich ankomme am Ziel. Aber bis dort sind es noch gute 5 Stunden Marsch.

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vor der Messe in Liemberg

Vor dem Gipfel des Veitsberges gibt es die Blutwiese. Gut, dass es nicht so heiß ist. Das Wetter ist eigentlich ideal zum Gehen. Als ich endlich bei der kleinen Kapelle ankomme, sind meine Freunde schon beim weggehen. Ich mach Gebrauch von dem Blasenpflaster, dass vorsorglich im Rucksack ist und mache – trotz zunehmender Schwäche die drei Runden um die Kapelle.

Nun beginnt die eigentliche Herausforderung. Abstieg vom Veitsberg. Meine Beine wollen gar nicht mehr abwärts gehen. Alle anderen überholen mich und ich glaube, es gibt fast niemanden mehr hinter mir. Ich will nicht aufgeben! Dann kommt die Sogenannte “Höll”. Ein ganz steiles Stück, aber es fällt mir leichter, mich mit Händen an den Bäumen festzuhalten und steil abzusteigen als auf dem normalen Weg zu gehen. Endlich bin ich unten in der Klamm. Dann geht es hinauf nach Gradenegg. Wieder geht es besser bergauf. Nicht schneller, aber mit weniger Schmerzen. Ich komme mit einigen anderen ins Gespräch und merke, dass nicht nur ich mit der Strecke zu kämpfen habe. Die Andacht in Gradenegg besuche ich nicht. Ein Kreuzzeichen in der Kirche reicht vor dem weitergehen. Die nächste Station ist Sörg und ich weiß, wenn ich es bis Sörg schaffe, dann schaffe ich es auch bis zum Lorenziberg.

Kurz nach Gradenegg überholt mich ein junges Mädchen. Wir kommen ins Gespräch und gehen dann ein langes Stück miteinander. Sie will den 4 Bergelauf machen vor einem neuen Aufbruch in Beruf und Leben. Ich hoffe dass ich ihr einige Tipps geben kann; für mich ist das gehen mit einer fröhlichen jungen Dame jedenfalls gute Ablenkung von eigenen Wehwehchen.

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endlich: die Kirche am Lorenziberg

Vor dem letzten Anstieg trennen sich unsere Wege wieder. Nathalie ist jetzt schneller und geht voraus. Ich gehe langsam weiter. Hinter jeder Kehre erwarte ich endlich die Kirche am Lorenziberg zu sehen. Und dann – endlich – ist es soweit. Die Andacht hat bereits begonnen, als ich ankomme. Ich bin sehr stolz – meine Freunde und Ihre Frauen sind schon eine Weile da.

Danach fahren wir gemeinsam zum Kollerwirt. Trinken Bier. Essen Kärntner Nudeln. Fühlen uns wie Helden. Und fallen danach erschöpft ins Bett. Nächstes Jahr muss ich es wieder probieren.

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